Aktuell 2018/2019

Die Deutsche Schülerakademie- ein Erlebnisbericht

Im einem dreiwöchigen Zeitraum am Anfang des August hatte ich die Gelegenheit ein Teil der Deutschen Schülerakademie zu sein.

Die Schülerakademie ist ein außerschulisches Programm, welches von dem Zentrum der Bildung und Begabung 1988 gegründet wurde mit dem Ziel Schüler in verschiedenen Bereichen zu fördern.
Dabei wird eine Auswahl an Kursen vorgegeben, die in zahlreichen Themengebiete, von Natur- bis zu Geisteswissenschaften, reicht, damit Schüler die Möglichkeit bekommen genau ihrem Interesse nachzugehen. Während den Wochen an der Schülerakademie muss man sich mit dem erwählten Thema zusammen mit den anderen Teilnehmenden auseinandersetzen, auf einem Niveau, das sehr dem einer Universität ähnelt. Das Ergebnis der wochenlangen Diskussionen und Lernens zeigt sich dann in der Kursarbeit, welche jeder Teilnehmer über das Erlernte schreiben muss. Für ausländische Schüler mit Deutschkenntnissen wird auch angeboten eine Woche in einer deutschen Gastfamilie zu verbringen.
Doch nach dieser langen und, zugegeben, etwas trockenen Erklärung, möchte ich gerne zeigen, dass die Schülerakadmie eigentlich viel mehr als das ist.
Ich kam an mit dem Zug nach Frankfurt am Main, wo meine Gastschwester mich um 11.20 Uhr am Eingang dieses unübersichtlichen Bahnhofes erwarten sollte. Doch dieser Plan ging nicht in Erfüllung, da, neben der Verspätung meines Zuges, es sich herausstellte, dass ich den Unterschied zwischen Ein- und Ausgang nicht kannte. Letztendlich fanden wir uns gegenseitig nach einigem Telefonieren in der Mitte, am Gleis 8. Darauf folgte eine lange Autofahrt nach Köln, die eine richtige Bekanntschaft unvermeidbar machte.
So unterhielten wir uns über unsere Interessen und Zukunftspläne, unsere Befürchtungen bezüglich der Sommerakademie, sowie über Sternzeichen – also über das Leben und die Welt überhaupt. Nach zwei Stunden waren wir an ihrem Haus angelangt, welches sich in einem Ort befand, dessen Namen höchstwahrscheinlich nur eine handvoll Menschen kennen, zu denen ich nicht gehörte. Nichtsdestotrotz war es eine sehr schöne und ruhige Gegend mit viel Natur.
Ich richtete mich in dem geräumigen Zimmer mit den riesigen Fenstern ein.
Am Tag danach fuhren wir nach Köln und machten einen Stadtbummel, bei dem ich außer die Läden zu durchforsten und die Sehenswürdigkeiten zu fotografieren, auch die einmalige Gelegenheit bekam während einer akuten Hitzewelle in einer sehr schlecht klimatisierten und sehr vollen Bahn eine Ewigkeit zu verbringen.
Das war es dann aber auch mit der Großstadt, denn am dritten Tag fuhren wir schon in der Frühe gen Norden. Der Plan war es, die erste und einzige Fähre nach Juist, einer Insel in der Nordsee ohne „Autos und Sorgen“, zu nehmen. Auf Juist erwarteten uns Claras Familie, die mich sofort herzlich empfing. Dort verbrachte ich die nächsten Tage. Tagsüber nutzte ich die Sonne aus, las und unternahm kleine Inselführungen mit dem Fahrrad oder mit dem Segelboot, während ich abends interessante Gespräche mit meiner Gastfamilie führte und mit Clara und ihrer Schwester Abendspaziergänge am Strand machte.
Die Woche verging meines Erachtens viel zu schnell, doch die verbrachte Zeit war für mich eine sehr große Bereicherung, sowie ein richtiges Vergnügen.
Am 6. August fuhren wir schließlich in Richtung Papenburg, einer Stadt ca. 50 km von der Nordsee entfernt an der Grenze mit den Niederlanden, wo die Sommerakademie stattfinden sollte. Den ersten Tag verbrachten wir, uns gegenseitig und die Kursleitenden kennenzulernen, was nicht schwerfiel, da alle sehr zuvorkommend und neugierig über die Situation waren. Am Abend gab es einen kurzen Überblick über die anstehende Woche, bei dem erklärt wurde, dass neben den Kursen auch kursübergreifende Aktivitäten von den Teilnehmern selbst organisiert werden konnten, wodurch jeder die Möglichkeit bekam seine Interessen mit den anderen zu teilen. Auf diese Art und Weise entstand eine Big Band, ein Werwolf-Club, und ein Diskussionsclub, die in der Freizeit stattfanden.
Täglich hatten wir insgesamt fünf Stunden, in denen wir intensiv lernten. Meine Kurswahl fiel auf Finanzmathematik in Aktion, ein Kurs, der sich mit der Weltfinanzkrise 2008 auseinandersetzte.
Zu Beginn beschäftigten wir uns mit grundlegender Mathematik im Finanzwesen, welche bis in die Wahrscheinlichkeitsrechnung reichte. Auf diesen Grundlagen aufbauend befassten wir uns als nächstes mit der Bewertung verschiedener Derivate (z.B. Optionen). Auf dieser Basis wiederrum konnten wir erkennen, inwiefern die Weltfinanzkrise 2008 vorhersehbar war und was die Ursachen für diese globale Katastrophe waren.
Der Anspruch an uns Schüler war, verglichen mit dem, was von uns innerhalb des Schulunterrichts erwartet wird, sehr viel höher, aber es war eine Herausforderung, welche uns meiner Meinung nach auf das universitäre Lernen vorbereitet. Man war stets von motivierten und wissbegierigen Menschen umgeben, die sich für Vieles interessierten und nicht davor scheuten, Dinge zu hinterfragen. Das hatte zum Ergebnis, dass man innerhalb von nur 16 Tagen ein immenses Maß an Wissen aufgenommen hat.
Nicht zu vernachlässigen ist auch die Tatsache, dass man die Chance hatte, Freundschaften mit zahlreichen Gleichgesinnten nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt zu schließen. Dass man etwas Neues ausprobieren konnte und in meinem Fall auch das Vergnügen hatte, eine Woche lang mit einer zu Beginn unbekannten Familie zu verbringen und diese kennenzulernen.

Dieses Erlebnis kann ich nur jedem empfehlen, der Interesse daran hat sich so vielseitig wie möglich zu entwickeln und Spaß dabei zu haben!

Ralitsa Kirova, Klasse 11